Ausbildungsmarkt: Trends für morgen

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Berichten die Medien über die Situation auf dem Ausbildungsmarkt, werden in der Regel die bundesweiten Zahlen vorgetragen. Und diese zeigen in den letzten Jahren leider konstant bergab. In der Folge wird ein entsprechend düsteres Bild gezeichnet: So wurden 2020 gegenüber 2019 bundesweit 9,3 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Als Grund dafür wird aktuell gerne die Corona-Pandemie angeführt. Das stimmt sicher auch für Branchen wie die Gastronomie, die besonders stark von den Folgen des Lockdowns betroffen waren. Viele, vor allem kleinere Unternehmen wollten und konnten angesichts existenzbedrohender Schließung keine neuen Auszubildenden einstellen. Und auch auf Seiten der Jugendlichen führten Homeschooling und Lockdown dazu, dass Projekte der Berufsorientierung, Schülerpraktika und Bewerbungstrainings schlichtweg ausgefallen sind. Wer nun aber hofft, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach dem Ende der Corona-Krise bald wieder um annähernd zehn Prozent steigt, wird enttäuscht werden, das steht bereits fest.

Ein Blick nach Bayern

In Bayern sah die Entwicklung etwas anders aus, als die bundeweiten Zahlen es suggerieren. Hier blieb das Angebot an Ausbildungsplätzen in etwa gleich hoch, die Unternehmen wollen im Großen und Ganzen trotz der Corona-Schwierigkeiten weiterhin ausbilden. Auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen blieb auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Der starke Rückgang beim Abschluss von Ausbildungsverträgen der Vorjahre konnte 2020 also abgebremst werden. Das ist ein gutes Zeichen, schließlich geht es um die Sicherung der Nachwuchskräfte von morgen und damit um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.

Allerdings, auch das zeigen auch die aktuellen Zahlen für Bayern: Aufgrund des demographischen Wandels wird die Besetzung von Ausbildungsstellen in Zukunft nicht einfacher, sondern eher noch anspruchsvoller. Im letzten Jahr gab es in Bayern immerhin noch 8.947 unversorgte Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber. Theoretisch hätte jeder dieser Ausbildungsplatzsuchenden zwischen 3,57 offenen Ausbildungsplätzen wählen können – im Vorjahr waren es lediglich 3,02 Ausbildungsangebote.

Was ist zu tun?

Es wäre fatal, angesichts dieser Entwicklungen den Kopf in den Sand zu stecken. Nach wie vor ist die duale Ausbildung eines der wichtigsten Instrumente, um gut qualifizierte Fachkräfte maßgeschneidert für den eigenen Betrieb zu entwickeln. Doch die Ausbildung wird sich verändern müssen und das erfordert Veränderungsbereitschaft auf Seiten der Ausbilderinnen und Ausbilder sowie an den Berufsschulen. Der Gesetzgeber hat mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes die Weichen dafür gestellt, das die Abschlüsse der höheren Berufsbildung gleichwertig zu denen der Hochschulen eingestuft werden (weitere Informationen hier).

Nun muss es darum gehen, den gesamten Weg der Karriere mit Lehre noch attraktiver zu machen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Unternehmen sich noch mehr gegenüber verschiedenen Bewerbergruppen öffnen, seien es Geflüchtete, Menschen mit Handicap oder auch junge Erwachsene, die ihr Studium (aus welchen Gründen auch immer) abgebrochen haben. Der Stellenwert eines professionellen Ausbildungsmarketings wird weiter wachsen: Es sind die Jugendlichen, die sich via Internet, Social Media und auf Ausbildungsmessen ihre Meinung bilden, ob ein Unternehmen für sie überhaupt als Startrampe ins Berufsleben in Frage kommt. Und nicht zuletzt werden die Ausbildungsprozesse digitaler und flexibler werden, Ausbildung in Teilzeit, duales Studium, mobiles Lernen, digitale Kommunikation … es gibt viel zu tun, nur eines nicht: Weitermachen wie es immer war.  

Die IHKs unterstützen Ausbildungsverantwortliche mit zahlreichen Informationen und Projekten rund um die Weiterentwicklung der Ausbildung. Nehmen Sie Kontakt auf, Ihre Ansprechpartner finden Sie hier.

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